Zwei Abende Fröhlichkeit und strahlende Augen

Erfahrungsbericht von Marianne Bunyan

Anlässlich des Granseer Stadtfestes kamen auch unsere Asylbewerber auf ihre Kosten. Da ich einige nun schon persönlich kenne durch Patenschaften oder Deutschunterricht fällt es leicht Kontakte aufzubauen, die so gern und dankbar angenommen werden. Integration funktioniert, wenn Vorurteile der herzlichen Offenheit und Annahme weichen.

Keine graue Masse von sogenannten Flüchtlingen, sondern Namen wie Aras, Suleyman, Hamid, Haniyeh oder Nariman sind Augen und Herzen, die lachen und hüpfen wollen, das sind Arme und Hände, die sich öffnen und umarmen können. Das sind Menschen, die durch schweres Leid gegangen sind und die für einige Stunden einfach nur glücklich sein konnten. Auch jene, die ich bisher nur mit ernsten Gesichtern kannte, haben sich anstecken lassen von der Atmosphäre und die Anspannung war wie weggewischt.

Musik und Tanz können schnell verbinden, was an Wunden zu pflegen ist. Und wenn es nur ein paar Stunden sind, so haben sich an den letzten beiden Tagen Granseer Bürger mit den meist jungen Menschen aus Nahost und Afrika auf der Tanzfläche bewegt als gäbe es kein Morgen mehr, anfangs zaghaft aber dann voller Lebensfreude und Spaß, ob nun zu deutschen Schlagern getanzt wurde oder der Band applaudiert, geklatscht oder in einfallsreichen Tanzeinlagen performed wurde, alles war ein Feuerwerk der Emotionen und sprühender Impulsivität und letztendlich ein dröhnender Tanzboden voller strahlender Augen und lachender Gesichter. Da tanzten die Alten mit den Jungen zu zweit oder zu fünft. Es war laut und rasant, aber immer fröhlich und nie aufdringlich. Einfach mal abtanzen im Wir und nicht "die" oder ich.

Lachen verbindet und freundliche Gesten kosten nichts. Aufmerksamkeit schenken kommt mannigfaltig zurück. Ich bin auch eine Zugezogene und freue mich über Gransee und seine Mitbürger, die sich in so großer Zahl einfach nur mit gefreut haben, die mitgelacht und mitgetanzt haben, wo Hände gehalten  und Umarmungen ausgetauscht, wo einfach nur ein Lächeln verschenkt wurde. Wir sind auf dem Weg. Begegnen wir den Asylbewerbern mit Herz und Freundlichkeit, ernten wir Respekt und Anerkennung. In den letzten Wochen habe ich mir mehrmals anhören müssen: „Deutschland ist so ein schönes Land, mit so wundervollen Menschen.“ Gransee ist ein Segen für alle. In unserer materialistischen Zeit, können wir lernen, was Dankbarkeit ist und wofür wir Menschen leben sollten: Liebe den Nächsten wie dich selbst, denn man erntet, was man säat.

Die Willkommens-Idee in Gransee sollte Vorbildfunktion haben. Das wünsche ich sowohl den Menschen aus anderen Ländern als auch den Bürgern dieser Stadt.

Marianne Bunyan